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Die Ziegelscheune

Malerisch am Elbufer gelegen, war die Ziegelscheune ursprünglich eine Ziegelei. Die recht umfangreichen Lehmvorkommen wurden abgestochen, zu Ziegeln geformt, getrocknet, um dann per Schiff nach Dresden zum brennen zu kommen. Der Eisenbahnbau um 1850 schränkte das Gelände und damit die Lehmvorkommen sehr ein, die Ziegelproduktion war nicht mehr lohnend.




Caspar David Friedrich
1900 wurde der Anbau an das etwa um 1780 errichtete Fachwerkhaus angefügt. Im Obergeschoss desselben war die Zollstation des kursächsischen-königlichen Fiskus und der böhmischen Zoll untergebracht, als Prüfstelle für die zu Tal gehende Schifffahrt. Die Schiffer kehrten gern im Gasthaus ein und versorgten sich im Kolonialwarenladen, der im Erdgeschoss des Altbaus untergebracht war, mit Proviant und Ausrüstung für ihre weitere Talfahrt. Das Elbufer vor dem Gasthaus ist heute noch eine sogenannte „Feierabendstelle" für die Schifffahrt.
Mit dem Aufblühen des Fremdenverkehrs in der Sächsischen Schweiz entwickelte sich auch das Gasthaus. Aus der Zollstation wurden 2 Fremdenzimmer. Der Großvater der heutigen Inhaberin, Arno Findeisen, übernahm Anfang der 20er Jahre das Gasthaus. Nach seinem frühen Tod übernahm seine Tochter Gretl 1938 ihrem Mann Helmut Strohbach das Geschäft und führte es 60 Jahre. Heute ist die Seniorchefin 84 Jahre alt
und werkelt immer noch mit im Hintergrund. Ständig versuchten die jeweiligen Besitzer, das Anwesen zu verschönern und zu erweitern; dies war nicht immer leicht. Der Besucherstrom nahm ständig zu und man musste sich mit den wachsenden Anforderungen der Gäste stellen.
1999 übernahm die Tochter, Christine Strohbach-Knaller, das Gasthaus. Mit viel Elan nahm sie mit ihrem Mann, Roman Knaller, die dringend notwendigen Renovierungs- und Modernisierungsarbeiten, vor allem im Küchenbereich in Angriff. 2000 wurde der Wintergarten angefügt und damit einem dringenden Wunsch der Gäste entsprochen, auch in der schlechten Jahreszeit auf die Elbe und das schöne Bergpanorama zu schauen. Als Architekt bemüht sich Roman Knaller, das bestehende Gebäudeensemble behutsam zu sanieren und mit der Sprache unserer Zeit sinnvoll zu ergänzen.

Im August 2002 musste die Familie hilflos zusehen, wie das in Jahrzehnten Geschaffene in den Fluten der Elbe versank. Niemand konnte sich je vorstellen, dass der Fluss, mit dem Generationen seit Jahren auf du und du lebten, derartig bedrohlich ansteigen würde. Alle Anstrengungen, dies oder jenes vor dem Höchststand von 12,43m zu retten, waren vergeblich. Die Erdgeschosse wurden somit komplett überflutet. Am 14.8.02 um Mitternacht mussten wir mit dem Boot unser Haus verlassen.
Der Anblick, den wir nach dem Abfließen des Wassers hinnehmen mussten, übertraf die schlimmsten Erwartungen. Das Wasser hatte ganze Arbeit geleistet und die hinterlassenen Trümmer mit einer dicken, stinkenden Schlammschicht überzogen. Alles, was wir in den Jahren 1999/2000 investiert hatten, war nur noch Müll, die alte Bausubstanz sehr schlimm beschädigt.

In diesen Tagen nach dem Hochwasser haben wir eine der positivsten Erfahrungen unseres Lebens machen können. Eine Welle der Hilfsbereitschaft und Zuwendung erreichte uns. Freunde und Fremde waren zur Stelle, begannen mit den Aufräumarbeiten, trösteten uns oder nahmen uns einfach in die Arme. Im ganzen Land waren Menschen bereit zu helfen, spendeten Geld und dringend notwendige Dinge. Nur auf Grund dieser Hilfe waren wir überhaupt in der Lage, wiederum an einen Aufbau zu denken. Irgendwann hatten wir plötzlich wieder Mut und haben begonnen an die Zukunft zu denken.
Wir sind zutiefst dankbar für diese schönen Erfahrungen der Mitmenschlichkeit.

Viel Mühe verwendeten wir darauf, unser historisches Gästezimmer wieder auferstehen zu lassen. Hier und da wurden einige Dinge ersetzt, vieles war einfach nicht mehr zu reparieren. Aber jeder Neubeginn birgt ja auch Chancen in sich, manches ist vielleicht schöner als vorher. So sanierten wir unsere bestehenden Gästezimmer und statteten sie mit behaglichen Landhausmöbeln aus. Es entstanden noch zwei neue Zimmer, unsere Malerstuben. Vom Balkon dieser Zimmer hat man einen unvergleichlich schönen Blick auf das Elbpanorama und die uns umgebende Bergwelt.

Ostern 2003 konnten wir das Gasthaus wieder eröffnen und wir hoffen, dass sich unsere Gäste hier wieder wohlfühlen und sich an der schönen Lage am Fluss erfreuen können.